Weimaraner im Maulkorb

Benutzerbewertung: / 1
SchwachPerfekt 

Schein gleich Sein?
oder Die kleinen Freuden im Hundewald

Jetzt ist sie da wieder -  die Zeit der Frühlingsgefühle, die Lust auf frühlingsfrische Waldluft und die Zeit sich in der blühenden Natur niederzulassen und ganz öffentlich seine Notdurft zu verrichten..... Und ich meine nicht unsere Vierbeiner, die ja bekanntlich noch nicht so zivilisiert sind die öffentlichen Toiletten zu benutzen zu können.

Jeden Tag ob Regen oder Sonnenschein, zieht es mich und meine beiden Weimaraner in den Hundewald von Liseleje - ein nicht umzäunter Wald, welcher zwischen Strand und Naturschutzgebiet in einem der wundervollsten Feriengebiete Nordsjællands liegt. Es ist eines der grösseren Freilaufgebiete, wo Hund und Halter ganz unbeschwert ( Rücksichtnahme ist selbstverständlich! ) ohne Leine wandern, schnüffeln und ein wenig Freiheit geniessen dürfen.

weimaraners.dk

Dass auch Radfahrer, Reiter und Jogger die Idylle in "unserem" Hundewald suchen, damit haben sich wohl mittlerweile die meisten Hundebesitzer hier abgefunden und gelernt stets ein waches Auge und gespitzte Ohren zu haben, um den freilaufenden Vierbeiner möglichst noch vor einer Kollision in Sicherheit bringen zu können.
Ein ungeschriebenes Gesetz in "unserem" Doggyforrest besagt nämlich, dass, obwohl Hunde hier laut Beschilderung zwar ohne Leine laufen dürfen - Hunde hier aber noch lange nicht frei laufen können!
Verwirrt? - Das kann ich gut verstehen.

Ich fange am Besten von ganz vorne an...

Meine beiden grauen Begleiter lieben es sich frei und schnüffelnd, mit tiefer Nase - wie der Jäger sagt - in der Natur zu bewegen und was liegt da näher, als ihnen diese Freude im nahen Hundewald zu gewähren?. Ganz nach Jahreszeit und Wetterlage sind hier Spannung, Erholung, Freude oder auch Ärgernisse zu erwarten. Und gerade dies macht unseren täglichen Ausflug ins Unterholz zum Erlebnis der besonderen Art.
Erlebnisse auf welche wir allerdings gerne verzichten würden sind von bräunlich klebriger, übel riechender Konsistenz und verbergen sich gern ein paar Meter rechts und links des Waldpfades hinter Büschen und Bäumen, manchmal auch im Windel-Tarnkostüm.
Da mein Eric nun aber ein Spezialist im Trailen, ein Experte im blitzschnellen Vertilgen dieser stinkenden menschlichen Hinterlassenschaften, aber auch das Model eines Hundes ist, welcher sich durch nichts und niemanden von seiner (menschlich gesehen) unappetitlichen Vorliebe abbringen lässt - habe ich seine Freiheit im Hundewald durch einen Maulkorb beschnitten.

maulkorb


Und das hatte Folgen!
Wichtig ist für mich, dass Eric nicht immer und immer wieder mit gesundheitlichen Problemen, ob seiner kulinarischen Gelüste, kämpfen muss. Und dies kann ich durch den Einsatz des Maulkorbes erheblich reduzieren. Zwar findet der geübte Trailer hin und wieder doch noch braune halbfeste "Leckerbissen", welche er durch die Gitterstreben seiner Fresssperre hindurch auflecken kann. Allerdings in wesentlich geringerer Menge und ganz erheblich durch das ungeliebte Ding auf der Nase behindert.
In den meisten Fällen kann ich nun allerdings doch seinen Kot-Verzehr ganz verhindern oder abbrechen - was ein wesentlicher Pluspunkt für Eric (auch wenn er es selbst nicht einsehen will)  und seine Gesundheit ist.

weimaraner_mundkorb
Ein Weimaraner mit Mundkorb (nicht Eric).

Allerdings hat dieses Drahtgeflecht auf seiner Nase nicht nur positive (wenn auch diese ausschlaggebend sind) Effekte - wie sich jeder Hundebesitzer sicherlich gut vorstellen kann.
Nicht erst seit der "Kampfhunde"-Problematik wird ein Hund mit Maulkorb in die Schublade "Gefährlicher Hund" eingestuft und möglichst weiträumig gemieden. Obwohl ein Hund doch durch einen Maulkorb beissuntüchtig gemacht wird, wirkt er anscheinend wesentlich gefährlicher und bedrohlicher auf andere Menschen, als selbiger ohne Gitter vor der Nase.

So auch in Erics Fall...
Im Winterhalbjahr,in welchem erfahrungsgemäss eine geringere menschliche Vorliebe zum Freiluftkoten herrscht und Eric ohne gesundheitliche Folgen frei im Hundewald laufen und schnüffeln kann, pflegt er ohne Probleme seine hündischen Sozialkontakte, welche ihm sobald er seine Fresssperre trägt, von unsicheren, optisch denkenden Hundehaltern verwährt werden.
Wir treffen tagtäglich die selben Hunde mit ihren Haltern. Die Hunde begrüssen sich und laufen weiter - ohne Pöbeleien, ohne Zwistigkeiten. Trägt Eric jedoch sein Nasengitter, mutiert er augenscheinlich zu einer wilden Bestie, die schreiend, verstört, fingerzeigend, tuschelnd und panisch gemieden werden muss. Das metallische Gerät in Erics Gesicht wird anscheinend schon aus einer irrwitzigen Entfernung von anderen Menschen gespottet und Vorsichtsmassnahmen werden umgehend von diesen eingeleitet. Da werden Pfade gewechselt, Leinen gezückt, Kinder auf den Arm genommen, durchs dicht bewachsene Unterholz seitlich des Weges geradelt und optisch und akustisch das Festhalten des "gefährlichen" Hundes Eric verlangt.

maulkorb

Anfangs versuchte ich durch Zurückbrüllen die Ungefährlichkeit meines Weimaraners zu vermitteln, durch Erklärungsversuche Verständnis zu bewirken oder durch zeitiges Anleinen und langsames heranführen zumindest eine räumliche Distanz zu verringern, um dadurch eine Chance zur Aufklärung zu erhalten. Nichts hilft.

Wir haben mittlerweile für uns festgemacht, dass uns die Gesundheit unseres Hundes und seine Freude am Freilauf im Hundewald wichtiger sind als der soziale Kontakt mit anderen Hunden und lernen mit der Vorverurteilung unserer Mitmenschen zu leben.

Nun müssen diese neben den vielen Joggern, Radlern und Reitern im Hundewald auch einen Weimaraner mit Maulkorb akzeptieren lernen.

weimaranerhalti
Ein Halti ist kein Mundkorb sondern eine Erziehungshilfe
(Weimaraner mit Halti)

Erlebnis vonSusanne Lundholdt Garborg

Kommentare  

 
+1 #1 Schweiz, SulgenJenny A. Burger 2010-04-12 16:56
Liebe Verfasserin des Waimaraners im Maulkorb. "Herrlich" kann ich da nur sagen. Meine kleine graue Maus ist ebenfalls eine "Allesfresserin" und ganz grosse Anziehungskraft üben Papiertaschentü cher mit braunen Spruen auf sie aus, denn darunter muss ja noch mehr liegen... Auch Hunde- Fuchs- Dachs-Hinterlassensch aften muden ihr sehr. Es ist auch bei uns ein mittelgrosses Problem. Ich kann sie zwar davon abrufen, aber noch so einen schnellen Biss als Wegverpflegung, muss dann schon noch sein. Habe mir auch schon über einen Maulkorb Gedanken gemacht, denke aber, dass ich anhand der geschilderten Erfahrungen davon absehe, da Corona vom Bronzenen Hirsch eine sehr kontakfreudige Hündin ist und ihr da sehr viel fehlen würde.
Danke jedenfalls für die spannenden Ausführungen und weiterhin viel Freude mit den 4-Pfotigen Grauen..
Zitieren
 

Die neuesten Kommentare unserer Gäste

Unsere neuesten Fotos

front1010146a.jpg
front1010190abc.jpg
front1010274b.jpg
new1010125a.jpg
new1010141a.jpg
new1010168a.jpg
new1010350a.jpg
new1010352a.jpg